25 | 11 | 2017

Alkohol gehört für Norder zum Feiern dazu

 

26 Prozent der Jugendlichen trinken laut Umfrage regelmäßig Alkohol

 

835 Schüler nehmen
an einer Umfrage des
Präventionsrates der Stadt
Norden teil

Norden – 26 Prozent der Norder Jugendlichen trinken regelmäßig, das heißt wöchentlich, Alkohol. Das ist das Ergebnis einer Umfrage zum Alkoholkonsum bei Jugendlichen, die der Präventionsrat der Stadt Norden in Zusammenarbeit mit der Norder Conerus-Schule im Februar 2010 durchgeführt hat. Dabei wurden insgesamt 835 Schüler von fünf Norder Schulen (Förderschule, Hauptschule, Realschule, Ulrichsgymnasium und Conerus-Schule) zu ihrem Alkoholkonsum befragt. Erschreckend: Das Ergebnis liegt über dem Bundesdurchschnitt von 2007, bei dem forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse mbH 3602 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren befragt hat. Danach griffen 2007 22 Prozent der Heranwachsenden wöchentlich zu Spirituosen.

Erfreulich ist dagegen das Norder Resultat, nachdem 21 Prozent der Jugendlichen überhaupt keinen Alkohol trinken. Überhaupt wissen die Jugendlichen nach den Ergebnissen um die Gefahren von Alkohol. 41 Prozent der Jungen und Mädchen gaben an, ein Alkoholrausch berge große gesundheitliche Gefahren. Allerdings: Knapp sieben Prozent der Befragten sind der Ansicht, ein Alkoholrausch bringe keinerlei Gefahren mit sich.

 

Grund für die Umfrage

Alkohol ist bundesweit das am Weitesten verbreitete Rauschmittel bei den Jugendlichen. Medien berichteten in den letzten Jahren wiederholt von sogenanntem Flatrate-Trinken, bei dem die Heranwachsenden innerhalb kurzer Zeit größere Mengen an Alkohol trinken. So starb im März 2007 ein 16-jähriger Gymnasiast, nachdem er durch exzessiven Tequila-Konsum ins Koma gefallen war. Und auch im Landkreis Aurich wurde über Jugendliche berichtet, die mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Diese Vorkommnisse waren für den Präventionsrat Anlass, eine Bestandserhebung bei den Norder Jugendlichen durchzuführen.

Für die Umsetzung der Umfrage konnte der Präventionsrat die Conerus-Schule gewinnen. So haben die Schüler der Wirtschaftsassistenz den Umfragebogen ausgearbeitet. Die Umfrage wurde schließlich im Februar 2010 realisiert. Insgesamt 835 Schüler von fünf Norder Schulen (Förderschule, Hauptschule, Realschule, Ulrichsgymnasium und Conerus-Schule) zwischen zehn und 21 Jahren sowie älter gaben auf die 37 Fragen Antwort, die in sechs verschiedenen Fragekomplexen aufgeteilt waren (Angaben zur Person, erster sowie aktueller Alkoholkonsum, Motivation, Selbsteinschätzung und andere Drogen). Die Auswertung der mehreren 10 000 Daten hat schließlich ein Projektteam des letztjährigen 12. Jahrganges der Fachgymnasien Wirtschaft und Gesundheit & Pflege unter der Leitung von Marlies Patzelt und Axel Schudak übernommen. Die Ergebnisse liegen nun vor.

 

Die Ergebnisse

Demnach trinken die meisten Jugendlichen zwischen ihrem 12. und 15. Lebensjahr zum ersten Mal Alkohol. Fast die Hälfte aller Befragten konsumiert zum ersten Mal vor ihrem 14. Lebensjahr Spirituosen. 21 Prozent der Heranwachsenden gaben außerdem an, keinen Alkohol zu trinken. Die Auswertung der Umfrage hat auch ergeben, dass mit zunehmendem Alter der Alkoholkonsum steigt. Meist liegt die Schwelle zu häufigem Trinken bei 16 Jahren. Die meisten Jugendlichen haben das erste Mal entweder mit ihren Eltern (31 Prozent) oder mit ihren Freunden (45 Prozent) Alkohol getrunken. Anlass war häufig eine Party (22 Prozent) oder Silvester (19 Prozent). Als Einstiegsgetränke wählten die meisten Jugendlichen Bier (43 Prozent) und Wein (24) Prozent.

Als Gründe für ihren ersten Alkoholkonsum nannte die Mehrzahl der Jugendlichen mit 44 Prozent, sie wollten es einfach ausprobieren. Immerhin einem Viertel der Befragten wurde es von den Erziehungsberechtigten erlaubt. Noch 21 Prozent nannten als Grund: „Um Spaß zu haben“.

Bei der Frage, wie oft die Mädchen und Jungen fünf oder mehr alkoholische Getränke in sehr kurzer Zeit, zum Beispiel innerhalb einer Stunde trinken, ergab sich folgendes Ergebnis: 43 Prozent gaben an, nie so viel Alkohol auf einmal konsumiert zu haben. 16 Prozent gaben allerdings zu, monatlich, 14 Prozent sogar wöchentlich so viel Alkohol zu trinken (Zum Vergleich: Nach der forsa-Umfrage gaben 2007 26 Prozent der 12- bis 17-Jährigen an, in den letzten 30 Tagen mindestens an einem Tag fünf oder mehr Gläser Alkohol getrunken zu haben).

Bis zu ihrem 17. Lebensjahr, wenn die Jugendlichen den Alkohol meist selber kaufen, beziehen sie diesen in der Regel bis zu ihrem 13. Lebensjahr über ihre Familie und zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr häufig über Freunde.

17 Prozent der mehr als 800 Befragten haben häufiger als zehn Mal so viel Alkohol getrunken, dass sie betrunken waren. Meist war das auf Partys der Fall. Immerhin, fast die Hälfte der Jugendlichen war noch nie durch den Alkoholkonsum betrunken.

Anders als der von der Gmünder Ersatzkasse initiierte Krankenhausreport 2009 festgestellt hat, nachdem sich die Zahl der Jugendlichen, die wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht wurden, von 1990 bis 2008 verfünffacht hat, bleibt dies in der Stadt Norden eine Randerscheinung. 90 Prozent der Jugendlichen beantwortete die Frage mit „Nein“. Zwei Prozent der Jugendlichen machten allerdings bei „Ja“ ihr Kreuz. Hilfen aufgrund ihres Alkoholkonsums suchen die Jugendlichen insgesamt eher weniger auf.

Warum trinken Jugendliche überhaupt? 45 Prozent der Mädchen und Jungen sagen: „Das gehört einfach dazu“. Ein weiterer Grund ist mit 38 Prozent: „Es schmeckt“ und immer noch 30 Prozent sind der Ansicht, „es macht locker“. Dabei konsumieren sie zu einem Großteil (60 Prozent) die Getränke mit Freunden. Rund ein Viertel der Jugendlichen trinkt auch gemeinsam mit ihren Eltern. Von Freunden zum Trinken gedrängt fühlen sich 70 Prozent der Befragten nie. 23 Prozent wurden aber schon von ihren Freunden zum Trinken gedrängt.

Erfreulich ist, dass über 60 Prozent der Jugendlichen kein Problem damit hat, Alkohol auch mal abzulehnen. Jedoch 16 Prozent sind der Ansicht, auf Geburtstagsfeiern könnten sie nur schwer alkoholische Getränke ausschlagen. Als Gründe für den Verzicht nannte ein Drittel, sie wollen nicht süchtig werden. Ein Viertel der Jugendlichen gab an: „Alkohol kann krank machen“. Und 14 Prozent sagen: „Betrunken sein ist mir peinlich“.

Sich selbst und ihren Konsum an Spirituosen schätzen die Mädchen und Jungen wie folgt ein: Fast ein Viertel weiß darum, dass sie manchmal zu viel trinken. 37 Prozent sind der Ansicht, dass sie nicht zu viel trinken. Bei der Einschätzung im Freundeskreis sieht es so aus, dass ein Drittel der Meinung ist, die Freunde trinken manchmal zu viel und ein Viertel gibt an, es werde nicht zu viel getrunken. Immerhin bei 23 Prozent der Jugendlichen wird im Freundeskreis überhaupt kein Alkohol konsumiert. Bezüglich des Trinkverhaltens im Elternhaus sagt die Hälfte der Mädchen und Jungen, dass nicht zu viel getrunken werde. In 29 Prozent der Haushalte werde kein Alkohol konsumiert. 9 Prozent der Jugendlichen gaben an, in ihrem Elternhaus werde manchmal zu viel getrunken.

72 Prozent der Heranwachsenden sind mit ihrem Leben sehr zufrieden oder zufrieden.  Mehr als ein Drittel ist mit seinen Schulleistungen zufrieden (19 Prozent eher unzufrieden). 41 Prozent empfinden Schule als mittlere Belastung (knapp 15 Prozent empfinden die Schule als hohe Belastung). Bei Problemen wenden sich mehr als die Hälfte der Mädchen und Jungen an die Mutter über 60 Prozent reden mit ihren Freunden über ihre Sorgen.

Der Konsum von Cannabis, Haschisch oder Marihuana bleibt eine Randerscheinung.

63 Prozent der Heranwachsenden rauchen nie Zigaretten, 22 Prozent greifen täglich zum Glimmstengel.

 

Schutzraum

Nach diesem Umfrageergebnissen stellt sich die Frage nach den Schutzräumen der Jugendlichen. Ein Großteil der Jungen und Mädchen (66 Prozent) lebt mit seinen Eltern zusammen in einem Haushalt. Das wie auch die Tatsache, dass sich die Eltern, egal ob sie getrennt oder zusammenleben, gut verstehen, leistet einen wesentlichen Beitrag zum maßvollen Umgang oder zum vollständigen Verzicht von Alkohol. Des Weiteren zeigte sich bei der Auswertung der Umfrage, dass Kinder und Jugendliche, die ihre Familie als Teil ihrer Freizeit sehen, seltener alkoholische Getränke zu sich nehmen. Unterstützt wird dieser Trend, wenn die Jugendlichen unter der Aufsicht ihrer Erziehungsberechtigten zum ersten Mal Alkohol zu sich nehmen.

Für Jugendliche, die nur bedingt Halt in den Familien finden, die häufig Fernsehen oder auch am Computer sitzen, müssen nach ersten Ergebnissen zusätzliche Freizeitaktivitäten wie verschiedene sportliche Angebote geschaffen werden, um auf diesem Weg einen verantwortungslosen Umgang mit Alkohol gar nicht erst entstehen zu lassen. Schließlich gaben deutlich weniger Jugendliche, die Sport oder Lesen als Freizeitaktivität nannten, an, Probleme mit einem zu hohen Alkoholkonsum zu haben.