26 | 09 | 2017

Alkoholstatistik

Quelle: Ostfriesen-Zeitung, ZGO Zeitungsgruppe Ostfriesland GmbH

Alkohol gehört für Norder Jugend dazu

Statistik

Den ersten Schnaps mit zwölf Jahren: Präventionsrat sieht große Aufgabe auf sich zukommen
Schülerbefragung zeigt: Die meisten Jugendlichen trinken regelmäßig Alkohol, manche gar exzessiv.

Norden/jen – Jungen würden aufgrund von nachlassenden sportlichen Leistungen die Finger vom Alkohol lassen, Mädchen eher aus Angst vor peinlichen Erlebnissen oder Blackouts. Das sind zwei der Kernaussagen, mit denen sich die Mitglieder des Norder Präventionsrates in Zukunft stärker beschäftigen wollen.

Diese und viele weitere Erkenntnisse, vor allem warum Jugendliche eben doch zum Alkohol greifen, sind das Ergebnis einer Schülerbefragung, die ein Projektteam aus dem zwölften Jahrgang des beruflichen Gymnasiums an der Norder Conerus-Schule unter der Leitung von Axel Schudak im Auftrag des Präventionsrates durchgeführt und ausgewertet hat. Dazu haben 835 Jugendliche zwischen zehn und 21 Jahren (Durchschnitt: 16 Jahre, Jungen und Mädchen etwa ausgeglichen) von der Norder Förder-, Haupt-, Real- und Conerus-Schule sowie dem Ulrichsgymnasium Angaben zu ihrem persönlichen Umfeld gemacht, wann sie das erste Mal Alkohol getrunken haben und wie ihr aktueller Konsum sowie die Motivation dafür aussehen. Durchgeführt wurde die Erhebung im Februar und März 2010 über Online-Fragebögen.

Häufig Trinken ab 16 Jahren

Die Schwelle zum häufigen Trinken liege bei 16 Jahren, präsentiert Conerus-Schüler Malte Bendrich die ersten Ergebnisse der Schülerbefragung. Gleichzeitig würde diese Altersgruppe den eigenen Alkoholkonsum am harmlosesten einschätzen. Eine Rolle spiele auch das familiäre Umfeld, so Bendrich: „Jugendliche, die mit beiden Eltern zusammenleben, trinken seltener.“ Auch die Freizeitgestaltung nehme Einfluss. Wer Fernsehen, Computer oder Freunde als Freizeitbeschäftigung angibt, trinke häufiger. Schüler, die Lesen, Familie oder Sport angeben, würden seltener und weniger trinken.

Über die Hälfte der befragten Schüler macht ihre ersten Erfahrungen mit Alkohol zwischen zwölf und 15 Jahren. Meist ist Bier (31 Prozent) oder Wein (24 Prozent) dabei auf Partys oder an Silvester die erste Wahl. Debora Schulte vom Auswertungsteam ergänzte, dass wer mit hartem Alkohol und/oder im Freundeskreis anfange zu trinken, später mehr konsumiere und die Gefahren geringer einschätze, während erste Kostproben mit Wein und/oder im Beisein der Eltern zu verantwortungsvollerem Umgang mit Alkohol führten. Erfreulich: 21 Prozent der Teilnehmer gaben an, noch nie Alkohol getrunken zu haben.

Regelmäßiger Konsum

Antje Völzke fasste das aktuelle Konsumverhalten zusammen: „Mehr als ein Viertel aller Teilnehmer trinkt wöchentlich, zwei Prozent sogar täglich Alkohol.“ Das meist gewählte Getränk sei Bier. Während 47 Prozent der Schüler angaben, nie mehr als fünf Getränke in kurzer Zeit zu trinken, würden 16 Prozent dies jede Woche tun. Häufig angegebener Grund: Weil es dazugehöre. 17 Prozent seien schon öfter als zehnmal betrunken, zwei Prozent (17 Befragte) gar deswegen im Krankenhaus gewesen. Während 15 Prozent meinen, dass gar keine oder nur leichte Gefahren vom Alkoholkonsum ausgingen, würden erfreuliche 67 Prozent diese als mittelschwer oder groß einstufen. Annika Scholz aus dem Projektteam ergänzte ein paar Gründe: „Wer von seinen Freunden zum Trinken gedrängt wird, trinkt häufiger und mehr.“ Die wirksamsten Gründe, nicht zu trinken hingegen seien Sport oder dass die Familie nicht trinke. Der Preis für Alkohol sei wiederum kein Kontra-Argument für die befragten Schüler.

Folgen aus der Statistik

Die Erkenntnis, dass auch Schüler, die ihre Freizeit in einem Verein verbringen, häufiger zu alkoholischen Getränken greifen würden, brachte die anschließende Diskussionsrunde unter den Mitgliedern des Norder Präventionsrates in Gang. Immerhin sei dies nicht zwangsläufig ein massiver Konsum, wurde appelliert, nun auf keinen Fall die Vereine an den Pranger zu stellen, und Erwachsene würden sich ja auch hier und da einen Drink genehmigen. Axel Schudak schlug vor, das Vereinsumfeld verstärkt für die Vermittlung von Kompetenzen rund um den Alkoholgenuss zu nutzen.

Die Präventionsratsvorsitzende Barbara Schlag wollte von Ilka Kreye, Leiterin des Polizeikommissariats Norden, wissen, ob die Probleme im öffentlichen Bild deutlich würden. Kreye: „Ja. Wir haben viele konkrete Beschwerden über Lärmbelästigung, Vermüllung und Sachbeschädigung durch betrunkene Jugendliche bekommen.“ Viele Bürger würden sich an bestimmten Plätzen in Norden unsicher fühlen. Beispielsweise die kontroverse Diskussion bezüglich des Ausschanks von hartem Alkohol auf dem Stadtfest habe aber erneut gezeigt, dass das Thema Alkohol durchaus unterschiedlich bewertet würde. Die Norder Polizei habe unter anderem bereits mit intensiveren Jugendschutzkontrollen reagiert. Außerdem schlug Kreye vor, künftig noch stärker an diejenigen heranzutreten, für die das Thema wirklich ein Problem darstelle.

Barbara Schlag resümierte, dass man nun als Kommune überlegen müsse, wie man mit verschiedenen Angeboten für Jugendliche präventiv arbeiten könne. Dabei nannte sie auch das Stichwort Eigenverantwortung: „Wie kann man Kinder so stark machen, dass sie bei Versuchung nicht umkippen?“

Lenhard Janssen, Leiter der Norder Hauptschule, bemerkte, dass er diesbezüglich einen Wandel bei seinen Schülern festgestellt habe: „Am Wochenende gehört Alkohol dazu, aber unter der Woche ist das nicht mehr so in.“ Auf diesen Zug sprang auch Uwe Fröbel auf: „Vor allem die exzessive Trinkerei ist ein Problem. Wir müssen es schaffen, dass Alkohol nicht mehr cool ist.“

Aus den Ergebnissen der Schülerbefragung sollen nun praktische Maßnahmen gestrickt werden, so Schlag. Dazu wünsche sich der Arbeitskreis Alkohol und Jugend des Präventionsrates weitere Verstärkung durch Freiwillige, Fachleute und auch engagierte Jugendliche. Schlag: „Es gibt viel zu tun.“

Alkohol: wann greifen jugendliche das erste mal zu?

In Frage Nummer 7 wollte das Projektteam der Conerus-Schule von seinen Mitschülern wissen, wie alt sie bei ihrem ersten Alkoholkonsum waren. Die meisten Befragten gaben an, den ersten Schluck zwischen zwölf und 15 Jahren probiert zu haben. Erfreulich: 174 von den insgesamt 835 Teilnehmern (21 Prozent) trinken laut Umfrage gar keinen Alkohol.


Axel Schudak, Annika Scholz, Antje Völzke und Malte Bendrich (von links) haben die Ergebnisse der Schülerbefragung gestern in der Conerus-Schule vorgestellt.